Unter die Lupe genommen: Die Fanpage der Polizei Hannover

Liebe Crowd,

nachdem ich in meinem letzten Blogbeitrag mit den Besonderheiten von öffentlichen Behörden und den Auswirkungen auf deren Social-Media-Arbeit beschäftigt habe, möchte ich heute die Facebook Fanpage der Polizei Hannover unter die Lupe nehmen.

Zum Einstieg möchte ich gerne der Frage auf den Grund gehen, was eine gute und erfolgreiche Kommunikation auf einer Fanpage ausmacht. Auf der Suche nach Studien zu dem Thema bin ich auf allfacebook.de (eine sehr empfehlenswerte Seite für alle, die sich für Social Media interessieren) auf eine Studie von vi knallgrau und der FH Joanneum aus Graz gestoßen, die über 100 Facebook Fanpages und 2.324 Posts untersucht haben, um die Frage zu beantworten, welche Inhalte auf Facebook funktionieren und eine für eine hohe Viralität (=Grad der Verbreitung durch liken, teilen und kommentieren) sorgen. Zwar ist die Polizei eine öffentliche Behörde, für die, wie ich in meinem vorherigen Blogbeitrag erörtert habe, andere Vorgaben als für ein Unternehmen gelten. Allerdings ist es auch für die Polizei entscheidend, eine möglichst hohe Viralität zu erreichen, da so mehr Facebook-Nutzer erreicht werden können und somit zum Beispiel Hinweise liefern können.

Hier die Zusammenfassung:

  • Tägliches Posten wirkt sich negativ auf die Viralität aus
  • Bilder sind top: Posts mit Bildern erhöhen die Viralität um 69%, auch Bildergalerien sind bei den Fans beliebt
  • Videos und Links sind flop: Posts mit Videos erzielen 85% niedrigere Viralitätswerte , Posts mit Links verzeichnen Einbuße von 88%. Die Studie führt an, dass das Anschauen eines Videos und dem folgen eines Links einen höheren Aufwand für den Nutzer bedeutet und mehr Zeit in Anspruch nimmt
  • Einfach formulierte Postings kommen auf 92% Viralität, insgesamt sollten die Postings nicht länger als 1-3 Zeilen sein
  • Nicht lange um den heißen Brei reden: Konkrete Postings sichern 54% mehr Viralität zu
  • Emotionale Posts bewirken 64% mehr Viralität
  • Wer sicher sein will, seine Fans zu erreichen, sollte um 11 Uhr und 19 Uhr seine Posts veröffentlichen, der beste Tag für einen Post ist der Sonntag

(FH Joanneum; vi knallgrau, 2012)

Alle Punkte noch einmal in einer Grafik zusammengefasst findet ihr hier.

Bevor ich die Inhalte der Fanpage mit der Studie abgleiche, möchte ich so einen Blick auf die Seite werfen. Beim ersten Blick auf die Fanpage fällt auf, dass es nicht möglich ist, einen Eintrag auf der Timeline zu hinterlassen oder der Polizei Hannover eine private Nachricht zu schreiben. Das ist wahrscheinlich dem Fakt geschuldet, dass weder personenbezogene und sachdienliche Hinweise, noch Anzeigen, Zeugenhinweise oder Notrufe abgegeben werden sollen. Darauf wird auch nochmal in dem Reiter „Wichtiger Hinweis“ hingewiesen. Als Rückkanal steht also nur die Kommentarfunktion zur Verfügung, die aber wie erwähnt nicht für die genannten Punkte genutzt werden darf/ soll, außerdem wird angemerkt, dass Kommentare im Einzelfall gelöscht werden können. Die von mir in dem Blogbeitrag „Kommunikation & digitale Kommunikation“ angenommene zweiseitige Kommunikation ist daher nur eingeschränkt möglich.

Abb. Tab der Facebook Fanpage der Polizei Hannover (Quelle: eigener Screenshot vom 30.06.2014)

Abb. Tab der Facebook Fanpage der Polizei Hannover https://www.facebook.com/PolizeiHannover/app_489246457850585 (Quelle: eigener Screenshot vom 30.06.2014)

Um das ganze etwas genauer analysieren zu können, welchen Inhalt die Polizei Hannover postet und ob die oben angeführte Studie auch auf die Fanpage einer Behörde anwendbar ist, habe ich das Tool Fanpage Karma verwendet, hier der Link zu meiner erstellten Analyse: http://www.fanpagekarma.com/facebook/polizeihannover. Fanpage Karma ist einfach zu bedienen und erstellt mittels Grafiken und Tabellen Übersichten, was wann gepostet wurde, wie oft gepostet wurde und wie viele Reaktionen (Kommentare, Likes, Shares) auf einen Post kommen. Als Zeitraum habe ich das letzte halbe Jahr vom 1. Januar 2014 bis zum 30. Juni 2014 eingestellt (wenn ihr dem Link folgt, müsst ihr oben rechts das Datum auf den selben Zeitraum einstellen, um meine Ergebnisse zu sehen). Die Nutzung der Grafiken ist laut §3 AGB erlaubt, wenn auf die Quelle („Fanpage Karma“) verwiesen und auf die Inhalte zu verlinkt wird.

Die erste Grafik stellt im Kuchendiagramm anschaulich dar, was die zweite Grafik genau aufschlüsselt.

Abb. Kuchendiagramm Fanpagekarma (Quelle: eigener Screenshot vom 30.06.2014)

Abb. Kuchendiagramm Fanpage Karma: http://www.fanpagekarma.com/facebook/polizeihannover (Quelle: eigener Screenshot vom 30.06.2014)

Insgesamt wurden 42 Posts veröffentlicht, mit 64,3% vor allem Bilder, gefolgt von 31% Links sowie nur einem Video und Statusupdate, mit jeweils 2,4% Anteil. In dem Zeitraum von 180 Tagen wurden 42 Posts veröffentlicht, im Durchschnitte postete die Polizei demnach alle 4 Tage einen neuen Beitrag. Geht man nach der Studie, ist der hohe Einsatz von Bildern positiv zu bewerten, die Tatsache, dass 1/3 der Posts Links sind, eher weniger. Schaut man sich nun aber die zweite Grafik an, kommt es zu einer Überraschung:

Abb. Auflistung der Posts von Fanpagekarma (Quelle: eigener Screenshot vom 30.06.2014)

Abb. Auflistung der Posts von Fanpage Karma: http://www.fanpagekarma.com/facebook/polizeihannover (Quelle: eigener Screenshot vom 30.06.2014)

Bezieht man sich auf die Gesamtreaktionen, war das Video mit 358 Reaktionen am erfolgreichsten, was im Gegensatz zu den Ergebnissen der Studie der vi knallgrau und der FH Joanneum steht. Da auf der Fanpage sehr selten Videos gepostet werden, vermute ich, dass dadurch das Interesse der Fans besonders hoch war. Auch der Inhalt des Videos, Werbung für eine Ausbildung bei der Polizei, hat die Nutzer wohl sehr interessiert. Für Interessierte hier der Link.

Posts mit Bildern, die laut der Studie einen besonders hohen Viralitätswert erreichen, schneiden mit einer 256 Gesamtreaktionen am schlechtesten ab, währenddessen Links mit durchschnittlich 317 Gesamtreaktionen auf Platz drei liegen. Allerdings sind unter den fünf Top Posts mit den meisten Reaktionen vier Bilder zu finden, Inhalte der Posts sind Hinweise auf die Veranstaltung Car-Freitag und den 24-Stunden-Blitzmarathon, ein Bild eines gestohlenen Fahrrads und einer Warnung vor Taschendieben. Nur ein Top Post führt als Link zur Facebook Fanpage der Polizei Niedersachsen. Auf der Seite der schlechtesten Posts sind ebenfalls drei Bilder-Posts zu finden, die ohne große Erklärung Bilder zu einer Flughafenübung enthalten. In diesem Kontext sollte man die im Durchschnitt geringeren Reaktionen auf Bilder relativieren, da sie durch einige sehr wenig beachtete Posts stark ins Negative gezogen werden.

Die meisten Shares erreichten Verlinkungen. Die meisten Links werden von der Facebook Fanpage „Polizei Niedersachsen Fahndung“ ohne Text geteilt und verweisen auf die Website des LKA, auf der die Fahndungshinweise veröffentlicht werden. Durch das Teilen lässt sich der Link schnell verbreiten, wahrscheinlich der Grund, wieso der Link mehr geteilt als kommentiert wird. Die Kommentare unter den Posts beziehen sich darauf, wo, im Bezug auf den Wohnort der Nutzer, der Post überall geteilt wurde, also zum Beispiel „Geteilt in Wolfenbüttel“. Interessant zu sehen, dass auf dieser Fanpage Links also sehr gut funktionieren.

Abb. Link Fahndungsaufruf (Quelle: eigener Screenshot vom 30.06.2014)

Abb. Link Fahndungsaufruf (Quelle: eigener Screenshot vom 30.06.2014)

Am meisten Kommentare gab es für das Statusupdate, indem die Polizei sich zu den Gerüchten äußerte, dass sie eine Versammlung auflösen würden. Unter dem Post begann eine Diskussion der User, in den die Polizei nicht moderierend eingriff.

Kein der Posts ist kurz formuliert, meistens muss der Post noch aufgeklappt werden, um den ganzen Text lesen zu können. Mittels einer Überschrift, zum Beispiel „+++ 24-Stunden-Blitzmarathon+++“ und dem Bild lässt sich aber recht schnell der Inhalt des Posts feststellen, so dass man sich dann entscheiden kann, ob man weiterlesen möchte. Auf Fragen unter Posts reagiert die Polizei meistens noch am selben Tag, was positiv hervorzuheben ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Fanpage der Polizei nicht vergleichbar mit der Fanpage eines Unternehmens ist. Der Großteil der Richtlinien der vorgestellten Studie fand keine Anwendung. Videos und Links erreichten eine hohe Anzahl an Gesamtreaktionen, die Texte zu den Bildposts waren meist lang, wenig emotional, aber dafür sehr konkret. Positiv zu bewerten ist der hohe Einsatz von Bildern und zusammenfassenden Überschriften. Ob man allerdings die Reichweite der Posts noch steigern könnte, wenn man kürzere Posts verfassen würde, bleibt ungewiss.

Die Polizei als öffentliche Behörde ist an bestimmte Richtlinien gebunden und könnte, selbst wenn sie wollte, die Postings mit Link nicht durch Postings mit Bild ersetzten. Der fehlende bzw. eingeschränkte Rückkanal ist zwar nicht optimal, ergibt sich aber auch durch gesetzliche Vorgaben. Auch kann die Polizei keine emotionalen Posts einstreuen, nur um die Reichweite zu steigern. Die Reaktion auf Fragen und Hinweise ist gut und wird hoffentlich beibehalten. Positiv finde ich, dass die Polizei Facebook nutzte, um die Bürger zu informieren und Gerüchten vorzugreifen. Meine Frage, die ich am Ende meines letzten Blogeintrag gestellt habe, ob es sich um „Social Media mit angezogener Handbremse“ handelt, kann ich für mich bejahen, möchte aber zufügen, dass die Fanpage unter diesen Rahmenbedingungen trotzdem gut geführt wird.

Was denkt ihr liebe Crowd?

Viele Grüße
Isabell

Quellen:

Fanpage Karma. (30. Juni 2014). Fanpage Karma: Polizei Hannover Facebook Insights. Abgerufen am 30. Juni 2014 von Fanpage Karma: http://www.fanpagekarma.com/facebook/polizeihannover

FH Joanneum; vi knallgrau. (13. August 2012). vi knallgrau Facebook Studie: Consumer Brands und Retail Brands unter der Lupe. Abgerufen am 30. Juni 2014 von Knallgrau.de: http://www.knallgrau.at/facebookcontentstudie

Polizei Hannover (20014). Screenshot des Facebook Fanpage Tab. Abgerufen am 30. Juni 2014 von Facebook:  https://www.facebook.com/PolizeiHannover/app_489246457850585

Polizei Hannover (2014). Screenshot der Fanpage. Abgerufen am 30. Juni 2014 von Facebook:  https://www.facebook.com/PolizeiHannover

Advertisements

9 Kommentare

  1. Hey,
    das sind ziemlich interessante Ergebnisse, die du da rausgefunden hast! Auch ziemlich merkwürdig, dass fast alles den Empfehlungen für die erfolgreiche Kommunikation keine Anwendung fanden und trotzdem gute Ergebnisse erzielt wurden. Denkst du dass eventuell öffentliche Behörden und besonders die Polizei für die Facebook-Nutzer eine Sonderstellung innehaben? Vielleicht sind sie eher gewillt mehr Zeit und Aufmerksamkeit aufzubringen, aus irgendeinem Grund?
    Was mich noch interessieren würde, ist, inwiefern die Polizei auf dieser Seite noch Fahndungsaufrufe macht, da du ja in einem vorherigen Post erwähnt hast, dass das in einer rechtlichen Grauzone ist? Und wie die Polizei Antworten von Bürgern bekommen will, wenn dies über Facebook aufgrund der ausgeschlossenen Funktionen nicht möglich ist?

    Grüße, Robert

    1. Hallo Robert,
      ich habe mich auch sehr gewundert, gebe aber deiner Vermutung recht, dass die Facebook-Nutzer, eine Fanpage der Polizei geliked haben, wohl die Bereitschaft mitbringen, Zeit und Aufmerksamkeit zu investieren, da es hier darum geht, zu Fahndungerfolgen beizutragen und nicht das neueste Werbevideo einer Marke zu konsumieren. Das ist diesen Nutzern wohl mehr wert als eine schicke Aufmachung. Eine Tatsache, die ich sehr interessant finde!
      Bezüglich deiner Frage würde ich dich gerne auf den Blogeintrag zu den rechtlichen Hintergründen zur Facebook-Fahndung verweisen.

      Zusammengefasst:
      Nachdem eine Fahndung beendet ist müssen von den Ermittlungsbehörden alle Fahndungsaufrufe und Fahndungsbilder entfernt werden, da nach Fahndungsbeendigung die Ausnahmereglung des § 24 KUG erlischt und sonst ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des Abgebildeten erfolgt (Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder, 2014).

      §24 KUG
      Für Zwecke der Rechtspflege und der öffentlichen Sicherheit dürfen von den Behörden Bildnisse ohne Einwilligung des Berechtigten sowie des Abgebildeten oder seiner Angehörigen vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zur Schau gestellt werden.

      Danach gilt wieder § 22 KUG [Recht am eigenen Bild].
      § 22 KUG
      Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden […].

      Daher wird nur ein Link geteilt, der nach der Fahndung wieder erlischt. Die Daten werden somit nicht auf fremden Servern (Facebook( abgelegt und können ohne Probleme gelöscht werden.
      Die „Antworten“ der Bürger nimmt die Polizei entweder auf einer Polizeidienststelle oder im Fall einer Strafanzeige auf der Onlinewache (https://www.onlinewache.polizei.niedersachsen.de/) entgegen.

      Viele Grüße
      Isabell

      Quellen:
      Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder. (27. März 2014). Entschließung der 87. Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Ländern am 27./28. März 2014 in Hamburg. Abgerufen am 14. Juli 2014 von Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit: http://www.bfdi.bund.de/SharedDocs/Publikationen/Entschliessungssammlung/DSBundLaender/87_DSKOeffentlichkeitsfahndungSozialeNetzwerke.html;jsessionid=22C8C7BBD186596C54831EE8559D15BE.1_cid329?nn=409240

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s